Julia Wolf »Du, hier« Die Autorin im Gespräch mit Carolin Wiedemann 17.03.26 in Berlin, CABUWAZI Tempelhof - Der Kulturflughafen
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Richtig gute Kurzgeschichten können ja angeblich nur Amerikaner schreiben. Oder Alice Munro, Katherine Mansfield und Gabriele Wohmann, leider alle tot. Und Julia Wolf, sehr lebendig, wie die Kurzgeschichtensammlung mit dem das Jetzt und die Gegenwart deutlich betonenden Titel »Du, hier« zeigt. Ihre Heldinnen, Frauen wie Stella, Judith und Wanda, sind nicht mehr jung, aber auch noch nicht alt. Hineingewachsen in ihre Rollen als Freundinnen, Geliebte, erwachsene Töchter oder späte Mütter, stellen sie fest: So etwas wie einen schlüssigen Lebensentwurf, den es dann nur noch runterzuleben gilt, gibt es nicht. Jede Lebenssituation, jede Begegnung mit der Gegenwart (der sogenannte Alltag) und der Vergangenheit (die sogenannte Erinnerung und die Menschen, die plötzlich in echt wieder vor einem stehen) muss neu angegangen und bewältigt werden. Und so werden die Begegnung mit der besten Freundin aus Schultagen, die Prügelei mit einem Catcaller oder der Besuch im Haus der gerade verstorbenen Schwiegermutter zu Momenten, in denen sie vorgeprägte Wege verlassen.
Short Stories at its best also, über deren Protagonistinnen, ihre Lust und Wut, Julia Wolf sich im Zirkuszelt auf dem Tempelhofer Feld mit Caroline Wiedemann (Missy Magazin) unterhält.
Julia Wolf »Du, hier«, dtv 2026